Als craniomandibuläre Dysfunktion (CMD, auch kraniomandibuläre Dysfunktion) bezeichnet man Schmerzen und Funktionsstörungen der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur. Sie ist häufig, besonders zwischen 20 und 40 Jahren, und hat meist mehrere Ursachen zugleich: Zähneknirschen und Pressen (Bruxismus), Stress, die Haltung von Kopf und Halswirbelsäule, eine Verletzung oder ein Biss, bei dem die Zähne nicht gut zusammenpassen.
Dr. med. Jörg Knop ist Arzt und Zahnarzt. Als Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie beurteilt er Zähne, Kaumuskulatur und Kiefergelenk in einer Untersuchung und schließt andere Ursachen von Gesichtsschmerzen aus. In unserer Praxis in Hildesheim erhalten Sie Diagnostik, Behandlung und Kontrolle aus einer Hand.
Typische Beschwerden
- Schmerzen vor dem Ohr, in der Wange oder an der Schläfe, beim Kauen stärker
- Knacken oder Reiben im Kiefergelenk
- eingeschränkte oder seitlich ausweichende Mundöffnung, ein Kiefer, der hängen bleibt
- verspannte, druckempfindliche Kaumuskeln und Kopfschmerzen an den Schläfen
- Druckgefühl oder Geräusche im Ohr
- abgeschliffene Zähne oder freiliegende Zahnhälse durch Knirschen
Halten die Beschwerden länger als einige Wochen an, lohnt sich eine gezielte Abklärung.
Diagnostik und Funktionsanalyse
Klinische Funktionsanalyse. Wir fragen nach Verlauf, Auslösern, Knirschen und Begleiterkrankungen. Dann tasten wir Kiefergelenke und Kaumuskulatur ab, messen, wie weit und wie gerade sich der Mund öffnet, und dokumentieren Gelenkgeräusche und schmerzhafte Druckpunkte in der Muskulatur (Triggerpunkte).
Analyse des Schlussbisses. Wir prüfen, wie die Zähne beim Zubeißen und bei Seitwärtsbewegungen aufeinandertreffen, ob einzelne Zähne zu früh Kontakt haben und ob der Unterkiefer dabei ausweicht. Bei Bedarf übertragen wir Abformungen beider Kiefer in ein Gerät, das die Kieferbewegungen nachbildet (instrumentelle Funktionsanalyse).
Spezielle Bildgebung. Die CMD ist in erster Linie eine Diagnose aus Gespräch und Untersuchung. Bildgebung setzen wir gezielt ein: Eine 3D-Aufnahme (DVT) in der Praxis zeigt den Knochen der Kiefergelenke, etwa Verschleiß oder Formveränderungen. Die Gelenkscheibe (Diskus) und die Weichteile sieht man nur in der Kernspintomographie (MRT), die wir bei Bedarf veranlassen. Nötig ist das vor allem, wenn andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen oder die Beschwerden trotz Behandlung bleiben. Mehr zum DVT
Behandlung
Am Anfang stehen Maßnahmen, die sich jederzeit rückgängig machen lassen. Bei vielen Betroffenen bessern sich die Beschwerden damit deutlich. Welche Bausteine Sie brauchen, legen wir nach der Funktionsanalyse gemeinsam mit Ihnen fest.
Aufbissschiene. Eine individuell angefertigte Schiene entlastet Kiefergelenke und Kaumuskulatur und schützt die Zähne beim Knirschen. Je nach Befund fertigen wir sie aus hartem oder aus weichem Kunststoff. Wir passen sie an Ihren Biss an und kontrollieren sie regelmäßig. Wann und wie lange Sie sie tragen, richtet sich nach Ihren Beschwerden, meist nachts.
Manuelle Therapie und Physiotherapie. Gezielte Handgriffe lockern Kaumuskulatur und Kiefergelenk, Dehnübungen verbessern die Mundöffnung. Wir arbeiten dafür eng mit Physiotherapeuten zusammen und verordnen die Behandlung bei entsprechendem Befund.
Triggerpunkte lösen. Verhärtete, druckschmerzhafte Punkte in der Kaumuskulatur strahlen oft in Schläfe, Ohr oder Zähne aus. Durch gezielten Druck und Dehnung lassen sie sich lösen, die Muskulatur entspannt sich.
Selbsthilfe im Alltag. Wir zeigen Ihnen Übungen für zu Hause und Gewohnheiten, die den Kiefer entlasten: Wärme auf die verspannte Muskulatur, in akuten Phasen weiche Kost, tagsüber die Zähne locker auseinander, beim Gähnen den Mund nicht weit aufreißen. Stress spielt oft eine Rolle, Entspannungsverfahren können helfen.
Medikamente. Kurzfristig helfen entzündungshemmende Schmerzmittel, bei starker Verspannung zusätzlich muskelentspannende Mittel.
Wenn das nicht reicht. Bleiben die Beschwerden trotz dieser Behandlung, kommen Injektionen in das Kiefergelenk oder eine Gelenkspülung in Frage, selten eine Operation.
Bisskorrektur erst nach der Schiene. Dauerhafte Veränderungen am Biss, etwa durch Einschleifen, neuen Zahnersatz oder eine kieferorthopädische Behandlung, kommen erst in Frage, wenn die Beschwerden mit der Schiene nachgelassen haben und feststeht, dass der Biss eine Rolle spielt. Diese Weiterbehandlung planen wir gemeinsam mit Ihrer Zahnarztpraxis oder kieferorthopädischen Praxis.
So läuft die Behandlung ab
- Erstgespräch und Untersuchung. Beschwerden, Vorgeschichte und klinische Funktionsanalyse.
- Analyse des Schlussbisses. Bei Bedarf mit Kiefermodellen und einer Aufnahme der Kiefergelenke.
- Behandlungsplan. Aufbissschiene, manuelle Therapie, Übungen für zu Hause, bei Bedarf Medikamente.
- Kontrollen. Wir passen die Schiene an und verfolgen den Verlauf. Bleiben die Beschwerden, folgt weitere Bildgebung, etwa ein MRT.
- Weiterführung. Stabilisieren des Ergebnisses, bei Bedarf Bisskorrektur in Zusammenarbeit mit Ihrer Zahnarztpraxis.
Kosten
Die Funktionsanalyse gehört nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen und wird privat berechnet. Eine Aufbissschiene übernehmen die gesetzlichen Kassen bei entsprechendem Befund in bestimmten Ausführungen. Physiotherapie und manuelle Therapie können auf Rezept verordnet werden. Private Versicherungen erstatten je nach Tarif. Vor der Behandlung erhalten Sie einen Kostenplan.
Häufige Fragen
Was ist eine CMD?
CMD steht für craniomandibuläre Dysfunktion, eine Funktionsstörung von Kiefergelenk und Kaumuskulatur. Typisch sind Schmerzen vor dem Ohr, Knacken im Gelenk, eine eingeschränkte Mundöffnung und Kopfschmerzen an den Schläfen.
Hilft eine Aufbissschiene bei CMD?
Eine individuell angepasste Schiene, je nach Befund aus hartem oder weichem Kunststoff, kann Muskeln und Gelenke entlasten und die Zähne vor dem Knirschen schützen. Am besten wirkt sie zusammen mit Übungen, manueller Therapie und dem Abbau von Belastungen wie Pressen oder Stress.
Wann ist ein MRT des Kiefergelenks sinnvoll?
Wenn die Beschwerden trotz Behandlung über Wochen bleiben, der Kiefer blockiert oder andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen. Das MRT zeigt die Gelenkscheibe, die im Röntgenbild nicht sichtbar ist.
Zahlt die Krankenkasse die CMD-Behandlung?
Die Funktionsanalyse ist eine Privatleistung. Eine Aufbissschiene übernehmen die gesetzlichen Kassen bei entsprechendem Befund in bestimmten Ausführungen, Physiotherapie und manuelle Therapie gibt es auf Rezept.
Brauche ich eine Überweisung?
Nein, Sie können sich direkt bei uns vorstellen. Hilfreich sind eine Überweisung Ihrer Zahnarzt- oder Hausarztpraxis und vorhandene Röntgenbilder.